Kiki schreibt, mit 40...
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2014: Eine Abrechnung.

Das Wort Abrechnung hat im privaten Bereich immer einen negativen Touch. Warum eigentlich? Es ist doch eigentlich völlig neutral zu sehen. Wenn ich eine Klassenfahrt gemacht habe, muss ich am Ende auch eine Abrechnung machen, um gegebenenfalls Geld zurück fordern zu können. Oder wenn ich eine größere Anschaffung getätigt habe, reche am Ende auch ab, um zu sehen, was ich mir noch leisten kann. Positiv. Ganz und gar nicht negativ. Wenn man aber mit einem Menschen abrechnet oder mit einem Jahr, wie ich es jetzt tun möchte, klingt das direkt negativ. Das soll es aber auf keinen Fall, dafür ist in diesem Jahr viel zu viel passiert. Viel zu viel Positives: Ein beruflicher Neubeginn verbunden mit einem schönen Abschied, ein Nachmittag auf Schalke, ein wunderschöner Urlaub in der Bretagne, einmal Weltmeister sein, … Zudem ist es sinnvoll, sich am Ende eine Jahres, sich Gedanken über genau das zu machen und so Schlussfolgerungen für das kommende schließen zu können. So kann man eventuelle Fehler vermeiden und Positives verstärken.

Seit dem 1. Februar bin ich nun auch endlich bekennender Schalke-Fan. Ausschlaggebend war sicherlich das eindrucksvolle Fußballspiel, das wir uns in der Arena angesehen haben. Vielleicht spielt aber auch die Glorifizierung der Vergangenheit eine Rolle. Da ja früher immer alles besser war und da zu “früher” jetzt auch das Leben in Gelsenkirchen gehört, ist meine Begeisterung für den dort ansässigen Fußballverein nur folgerichtig (gut, dass ich nicht in Dortmund oder München gewohnt habe…). Dass diese aber die momentanen Auswüchse annimmt, verstört oder verwundert (drücken wir es ein bisschen moderater aus) meinen lieben Mann. Mit der Ankündigung, dass ich krank bin und mit der Bitte verbunden, alleine mit Pauli die Abschlussrunde zu gehen, begab ich mich ins Bett. Dort war von der Krankheit nicht mehr viel zu merken. Rainer und Pauli waren aber weg und ich im Nachtgewand. So verbrachte ich die Zeit damit, Youtube-Videos mit Schalkeliedern zu gucken und schlimmer noch: ich begleitete den Gesang! Auch noch, als ich den Schlüssel im Schloss hörte. Vielleicht sang ich unbewusst bei dem Geräusch noch ein bisschen lauter und deutlicher. Manchmal möchte ich dann in Rainers Kopf sitzen und die Gedanken direkt mitbekommen, nicht erst dann, wenn sie durch seinen Mund gekommen sind. Mein Patenkind bekam nicht ganz selbstlos eine CD zu Weihnachten mit den besten Schalke-Songs. Bei unserem Besuch in der Arena war uns aufgefallen, dass der junge Fan kein einziges Lied mitsingen konnte. Bis zu nächsten Spiel muss sich das ändern!

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Das tief greifendste und bewegendste Ereignis in diesem Jahr war sicherlich der Abschied vom Neuenhof und von meiner 10. Klasse. In sechs bzw. sieben Jahren bauen sich schon sehr viele und glücklicherweise auch gute Beziehungen auf. Da war es gut, dass ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen konnte. Überrascht bin ich aber darüber, dass die Abschlussfahrt nach Berlin nun schon ein halbes Jahr her ist. Noch immer erzähle ich gerne und nicht ganz ohne Stolz von dem sehr guten Verlauf der Fahrt. Die vielen bekannten Gesichter und Charaktere der Kollegen (natürlich auch in weiblicher Form) und Schüler (ebenfalls auch weiblich!) geben Sicherheit und Vertrauen. Dieses musste nach den Sommerferien wieder neu aufgebaut werden. Gott sei Dank ist es aber größtenteils geglückt! Ich fahre gerne in meine neue Schule – am liebsten mit dem Rad! Wenn ich dann mal mit dem Auto fahre, was nur bei Erkältung vorkommt (leider den gesamten Dezember…. ), ist es ganz selten, dass ich gewohnheitsmäßig die Fahrt in Richtung Siegbug einschlagen möchte. Ich bin an meiner Bonner Schule angekommen!

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Dass ich Weltmeister bin, habe ich hier anderer Stelle schon einmal erwähnt. Und ich bin es immer noch gerne, auch wenn die Mannschaft, die diesen Titel geholt hat, jetzt anders spielt. Aber man muss ja auch zugeben, dass es diese Mannschaft in ihrer Form gar nicht mehr gibt. Es erstaunt mich ein bisschen, dass es jetzt gar nicht mehr wichtig ist, dass ich Weltmeister bin. Gut, es sind viele Monate vergangen, aber es war auch schon einige Tage nach dem Holen des Titels so. Schade eigentlich. Wahrscheinlich ist es so gedacht, dass man es als Person selbst glauben und sich im Stillen darüber freuen muss.

Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich unser Sommerurlaub in der Bretagne. Ein zweites Mal innerhalb kurzer Zeit – und mit Sicherheit nicht zum letzten Mal – setzten wir uns dieser unvergleichlichen Schönheit der Natur aus. Ich war sehr gespannt, ob wir jetzt jeden Sommerurlaub einen Abstecher in eine Werkstatt machen.

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25 Jahre. In diesem Jahr haben wir den Fall der Berliner Mauer gefeiert oder ihrer zumindest gedacht. Das erste geschichtliche Ereignis, dass ich bewusst erlebt habe und an das ich mich noch sehr gut erinnern kann. Die Ereignisse in den Botschaften vor dem Fall der Mauer haben wir als Familie damals mit Spannung verfolgt. Am Abend des 9. November hatten wir unseren Familienfreund H. zu Besuch. Er war damals um die 30 Jahre alt und war als Teenie mit Hilfe seines Vaters nach Westdeutschland geflohen. H. kam gerade zu den Abendnachrichten mit angrenzenden Sondersendungen. Wir begrüßten H. mit den Worten: “Die Mauer ist offen!”. Er hatte keine Zeit sich zu setzen und glaubte uns auch nicht. Gebannt schaute er auf den Bildschirm. Ihm kullerten die Tränen über die Wangen, denn er konnte es nicht glauben.

Aber auch das war 2014. Dramatische Ereignisse, die mich zwar nur indirekt betreffen, aber dennoch nachdenklich, traurig und wütend machen.

Januar: Obwohl der ADAC hart in die Kritik gerät, bleiben wir weiter Mitglied.

Februar: Ebola-Ausbruch in Westafrika mit etwa 7000 Toten und verheerenden Folgen

März: Krise in der Ukraine eskaliert – Flug 370 verschwindet – Gibt es einen neuen kalten Krieg?

April: 276 Nigerianische Mädchen aus Schule entführt – Japan setzt weiter auf Atomenergie

Juni: ISIS startet Offensive im Nord-Irak – Schwerstes Unwetter seit Jahren in Nordrhein-Westfalen: es sterben sechs Menschen

Juli: Bolivianischer Kongress legalisiet Kinderarbeit für Kinder ab 10 Jahren.

August: Journalist wird im Irak enthauptet – Israel-Gaza-Konflikt: 2200 Tote – Die Tiefbauarbeiten für Stuttgart 21 beginnen

September: In einen nordrhein-westfälischen Flüchtlingsheim werden Asylbewerber von Wachpersonal misshandelt.

Oktober: Anti-Salafistendemonstration in Köln mündet in eine Straßenschlacht mit der Polizei.

November: Zivilcourage hat einen neuen Namen: Tugce

Dezember: Pegida-Wutmarsch gegen Islamisierung – Erste Flüchtlinge aus den Krisengebieten erreichen unsere Stadt

Um hier nur einige Dinge zu nennen, die in diesem Jahr die Nachrichten und die Welt bewegten. Mich bringen diese Ereigniss zu Dankbarkeit. Ich habe es nicht verdient, in einem Land zu leben, in dem Frieden herrscht. Aus dem ich nicht fliehen muss, weil ich Christin bin und in dem ich genug zu essen, Arbeit und eine Wohnung habe.

 © 2014 KS

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