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Auf in den niederländischen Herbst

Die Herbstferien sind in diesem Jahr wirklich sehr spät. Sie enden in der ersten Novemberwoche. Zum allem Überfluss hat Rainer auch erst in der zweiten Woche Urlaub, sodass eine Tour mit dem Cookie nicht zu 100% feststeht.

Wir suchen uns den Ort, der für uns die besten Wetterprognosen bereithält. Strahlenden Sonnenschein, sommerliche Temperaturen und wenig Regen sind schwer in der Kombination zu bekommen. Unsere Wahl fällt auf Maastricht. Hier scheint das Wetter uns am meisten entgegenzukommen. Auch wenn es bis kurz vor der Abreise immer mal wieder interessante Phänomene in den WetterApps zu sehen gibt.

Sonntag

Der Sonntag startet zu Hause mit leichtem Sonnenschein nach einer stürmischen Nacht dank Herwart. Den Cookie haben wir nur halb gepackt und deswegen kann es nicht so zeitig losgehen wie eigentlich gewünscht.

Auf dem Hinweg wollen wir uns die kleine niederländische Stadt Thorn – die weiße Stadt ansehen. Wie kommt sie zu dieser Bezeichnung? Und warum sind die Häuser im alten Teil  tatsächlich weiß getüncht? Die Gründe sind uralt. Der Ort entstand etwa im Jahr 990. Für Benediktinerinnen aus dem Hochadel wurde hier eine Abtei gegründet. Aus dieser wurde ein Fürstentum und später kamen auch Stadtrechte hinzu. Ende des 18. Jahrhunderts marschierten die Franzosen in die Stadt ein und die adeligen Frauen flohen. Sie ließen ihre Häuser zurück. Diese wurden von armen Menschen bezogen. Die Besatzer erhoben von den Hausbewohnern eine Steuer, die an der Größe der Fenster eines Hauses gemessen wurde. Da dieser betrag für die Menschen zu hoch war, verkleinerten sie die Fenster ihrer Häuser. Um den Unterschied zwischen den neuen und alten Mauern nicht feststellen zu können, strichen sie ihre Häuser weiß.

Bei wunderschönem Wetter erkunden wir den historischen Teil der kleinen Stadt und sind fasziniert. Lange halten wir uns hier trotzdem nicht auf.

Es zieht uns weiter nach Maastricht auf den Stellplatz an der Marina. Für 18,00 € (lange Wohnmobile zahlen 7,50 € zusätzlich) können wir hier inklusive aller Nebenkosten stehen: Strom, Wasser, Dusche, WLAN, Steuern. Nicht ganz hinterhergeworfen, aber schön 😃 Den Platz muss man vorher reservieren. Einfach ankommen und rauffahren ist nicht möglich. Dafür ist er in einem abgeschlossenen Bereich und videoüberwacht. Einen Brötchenservice gibt es nur im Sommer und der ist jetzt definitiv vorbei. In einem Supermarkt in etwa einem Kilometer Entfernung kann man aber Brötchen und alles andere bekommen. Der Platz liegt an einem Nebenarm der Maas und ist eigentlich ein kleiner Yachthafen. Deswegen stehen zwischen den Wohnmobilen auch PKWs. Insgesamt haben hier etwa 30 Mobile Platz. 

 

Kurz nach unserer Ankunft machen wir uns bei noch herrlichem Wetter auf den Weg, um die Gegend zu erkunden und landen nach einer guten Stunde in Maastricht Downtown. Unterwegs werden wir von etwas Regen verärgert. In Maastricht ist verkaufsoffener Sonntag und es ist dementsprechend belebt. An dem Shoppingerlebnis nehmen wir aber nicht ausgedehnt teil (ich versuche lediglich eine Mütze zu kaufen und bin entrüstet über die Preise von maschinengestrickten Kopfbedeckungen. 30 – 50 € sollen die kosten!!), sondern beschränken uns auf Kaffee und Kuchen.

Montag

Der Morgen beginnt wieder sonnig und trocken. Nach der relativ frischen Nacht mit 6° Celsius genau richtig. Wegen der niedrigen Temperaturen entscheide ich mich für eine Dusche in den Anlagen der Marina. Beheizt scheinen sie nicht zu sein, aber es reicht auch so. Danach startet die Mission „Brötchen für das Frühstück“. Es gibt in der unmittelbaren Nähe zwei Supermärkte. Der eine ist etwa eineinhalb Kilometer entfernt, der andere zweieinhalb. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, die ich hier nicht näher beschreiben möchte, entscheiden wir uns für den weiter entfernten Markt. Das Ziel kann erreicht werden, wir werden satt, allerdings brauchen wir mehr Zeit. Ein bisschen drückt diese Angelegenheit auf die gute Stimmung…

Im Süden von Maastricht steht das Fort St. Pieter. Es wurde vor etwa 300 Jahren gebaut und sollte die Stadt vor den Franzosen schützen. Lange Zeit gelang dies. Letztendlich mussten sie sich aber den Angreifern ergeben. Direkt unterhalb des Forts befinden sich die Grotten von St. Pieter, ein 80 Kilometer langes Höhlensystem, das zum Abbau von Mergel diente. In Kriegs- und Belagerungszeiten wurden die Gänge auch als Zufluchtsort genutzt. Bei einem früheren Besuch der Stadt hatte ich die Möglichkeit, die Grotten zu besichtigen. Der Führer schilderte damals sehr eindrücklich die Arbeit und Zuflucht in den Höhlen. Beeindruckend war für mich die Höhe der Gänge.

Genau dieses wollen wir uns heute angucken. Es liegt genau gegenüber des Stellplatzes auf der anderen Seite der Maas. Leider gibt es hier keine Brücke oder eine Fährverbindung. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als nach Maastricht zu laufen und auf der anderen Seite des Flusses wieder zurück. Wir werfen einen Blick durch das Gittertor am Eingang. Eine Führung machen wir nicht. Mit Hund unpassend und aufteilen kommt nicht in Frage. Den Rückweg nehmen wir über das Fort, passieren die Weinberge von Maastricht und gehen noch ein paar Meter durch die Stadt. Nach einer kleinen Stärkung in flüssiger Form werfen wir einen Blick in die Kirche, die in einen Buchladen umgewidmet wurde. Gegen 17.30 Uhr und 15 Kilometer kommen wir wieder in der Marina an. Jetzt gibt es erstmal einen Glühwein und Waffeln!

Dienstag

Maastricht – eine der ältesten Städte der Niederlande hat seinen 122000 Einwohnern und den vielen Touristen jährlich heute noch viel zu bieten. Dieses wollen wir heute auf uns wirken lassen und genießen. Wie vorhergesagt beginnt der Tag wolkig und das bleibt er auch im Großen und Ganzen. Für unser Vorhaben aber gar nicht schlimm. Hin und wieder schaut die Sonne etwas hervor, übertreiben will sie es aber nicht. Weil wir in den letzten Tagen so viel zu Fuß unterwegs waren, gönnen wir uns für den Hinweg den Bus in die Innenstadt. Für 3,00 € pro Person dürfen wir von der dem Stellplatz nahegelegenen Haltestelle etwa zwanzig Minuten bis zum Mosae Forum im Zentrum fahren. Hunde zahlen nichts – wie sollten sie auch, sie haben ja keine Hosentasche für das Kleingeld.

Wir schlendern durch die Straßen, Gassen und Geschäfte und geben ein bisschen Geld aus. Der Höhepunkt des Tages ist das Abendessen gegen 16 Uhr in der Kneipe „Café de Pieter“. Hier essen wir Lütticher Bouletten mit ausreichend Tongerlo Bruin und sind begeistert. Wir werden auf jeden Fall versuchen, dieses Gericht nachzukochen und davon dann in diesem Blog berichten.

Den Rückweg meistern wir wieder zu Fuß. Es ist schon dunkel, als wir gegen 18 Uhr an unserem Platz ankommen. Die Zeitumstellung hinterlässt ihre Spuren… 😫

Mittwoch

Völlig untypisch für den November ist heute das Wetter am schönsten. Ein wirklich goldener Novembertag. Trotzdem machen wir uns nach dem Frühstück wieder auf den Weg Richtung Heimat. Unterwegs halten wir in Valkenburg aan de Geul. Ein kleines Städtchen ganz in der Nähe von Maastricht, das eine Steinkohlemine, Mergelgrotten, eine Burgruine und ein Pfannkuchenhaus mit sehr guten Pannenkoeken vorweisen kann. Den historischen Teil der Stadt kann man als Fressmeile der besonderen Art beschreiben. Es reiht sich ein Restaurant an das andere. Gelegentlich gibt es dazwischen Souvenirläden, die auch nicht zum Verweilen einladen.

Ein paar wunderschöne Herbsttage. Wir sind froh, dass wir trotz der späten Ferien gefahren sind!

© KS 2017

2 Kommentare

  1. wilfried kissel sagt

    hallo,
    die bilder mit den teils spöttischen kommentaren haben uns gut gefallen.
    frage : habt ihr jetzt nur noch „ohneumweg“-geschirr ?
    Musste aber Maastricht wirklich euer reiseziel sein, da gerade dort das grab für unsere währungsstabilität gegraben wurde ?
    die kleinschreibung ist nicht an die moderne angepasst, sondern ist damit begründet, dass ich mich wieder einmal mit der bildschirmtastatur begnügen muss. vielleicht könnte das auf die to-do-liste geschrieben werden – danke !
    viele grüße
    mama und papa

  2. Vielen Dank für euren Kommentar.
    Ja, wir haben uns Tassen drucken lassen. Daraus schmeckt der Kaffee (und auch Glühwein) noch besser 😉
    Ja, Maastricht musste unser Reiseziel sein, weil es neben den politischen Ereignissen – die man ja sehen kann wie man will, eine Menge zu bieten hat 🙂

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