Begegnungen der besonderen Art

von | Aug 15, 2017 | ohneumweg-unterwegs | 1 Kommentar

Unsere Sommertour führt uns in diesem Jahr durch folgende Orte: Dierbach, Bad Urach, Altusried, Unterschwarzenbach, Füssen, Reutte (Tirol), Tisens, Bayrischzell, Bad Tölz, Bamberg und Ulrichstein. Geplant davon waren nur Dierbach und Bad Tölz. Das erste Mal haben wir unsren Aufkleber spazieren gefahren. Nicht mehr inkognito unterwegs :-)

Sonntag

Viel später als in meinen kühnsten Träumen ausgemalt kommen wir am Sonntag nach Rainers Urlaubsbeginn los. Den Tag vorher haben wir extra zum Packen genutzt, damit ein früher Start möglich ist. Es hat nicht sollen sein. Ohne Wecker wach zu werden hat was. In der letzten Nacht hat ein starkes Gewitter die Region heimgesucht, daher ist es etwas kühler. Gar nicht so unangenehm. Glücklicherweise machen Pauli Gewitter gar nichts aus.

Während Pauli schon in seiner Kiste im Cookie sitzt und wir noch die Räder befestigen, kommt Ben, ein Hund aus der Nachbarschaft, vorbei und ist sehr interessiert. Wahrscheinlich will er sich nur verabschieden. Pauli findet das aber gar nicht gut und verteidigt seinen Cookie lautstark.

Unser erstes Ziel ist das Familienweingut Geiger in Dierbach an der südlichen Weinstraße. Dieser Stellplatz hat es uns schon in den Osterferien angetan. Die Lage – mitten in den Weinbergen – macht ihn zu etwas ganz Besonderem. Etwa 30 Wohnmobile haben hier Platz. Ver- und Entsorgung ist im Preis von zehn Euro die Nacht enthalten. Der Stellplatz verfügt über Duschen und Toiletten und es gibt sogar die Möglichkeit, zu spülen. Es ist schön ruhig hier und man hat einen herrlichen Ausblick in die Weinberge.

Hier wollen wir uns mit Wein eindecken. So ganz rechnen wir nicht damit, noch einen freien Platz zu bekommen. Das Wetter ist schön, es sind Ferien und der Platz ist relativ klein – was ihn für uns wiederum so interessant macht. Die Mitarbeiterin in der Wirtschaft guckt mich irgendwie verwirrt an, als ich sie frage, ob noch Platz ist. Selbstverständlich. Wein ist auch noch in ausreichender Menge vorhanden, in Flaschen und an den Weinstöcken. Das beruhigt uns, denn nach dem Kälteeinbruch im Frühjahr mussten des öfteren an sie denken.

Um uns auf eins unserer größeren Ziele vorzubereiten, beginnen wir am Abend mit dem Allgäukrimi „Herzblut“ von Volker Klüpfel und Michael Kobr.

Montag

Der nächste Morgen beginnt nass. Starker Regen wechselt sich mit leichtem Regen immer wieder ab. Mit 16 Grad Celsius ist es recht frisch. Als ich das erfahre, brauche ich mich über meine kalten Füße nicht mehr zu wundern…

Nach einem Blick auf die Karte geht es nach Bad Urach auf der Schwäbischen Alb. Die Temperaturen werden nicht besser und die Färbung des Himmels auch nicht.

 

Der Stellplatz für Wohnmobile liegt hier direkt am Kurzentrum und der B 28. Für acht Euro kann man hier inkl. Strom und Kurtaxe pro Nacht auf gepflastertem Boden stehen. 26 Wohnmobile haben hier Platz (wirklich nur Wohnmobile). Den Schlüssel für den Stromkasten bekommt man in der etwa 150 Meter entfernten Touristeninfo. Bei Abreise können wir ihn einfach den einen Briefkasten am Platz werfen.

In Bad Urach leben etwa 12000 Menschen. Der Stadtkern ist ganz nett zum Anschauen und zwei Kilometer vom Stellplatz entfernt. Die direkte Strecke verdient keinen Schönheitspreis, ist aber zielführend. Ein bisschen verzweifelt sind wir auf der Suche nach einem kleinen Restaurant, wo wir eine Kleinigkeit essen können. Fast alle Lokalitäten haben geschlossen, auch deswegen weil gestern der Schäferlauf stattgefunden hat. Schließlich setzen wir uns in die erste Bäckerei am Platz und stillen dort unseren Hunger. Wir schaffen es, uns so lange in der Stadt aufzuhalten, dass wir in den ersten Regenguss des Abends kommen. Unterwegs machen wir ein Station im Baumarkt, man muss sich bei Regenwetter ja beschäftigen.

Die letzte Runde mit Pauli findet im Kurpark statt.

Dienstag

Never change a running system. Der Morgen beginnt wieder mit Regen. Ein Blick in die Wetterapp zeigt aber, dass es in unserem nächsten Zielgebiet nicht besser aussieht. Also beschließen wir, noch einen weiteren Tag hier zu verbringen. Von unserer geplanten Wanderung „Wasserfallsteig“ müssen wir uns verabschieden. Weil vom Himmel so viel Wasser fällt, fällt die Tour ins Wasser. Das fällt wirklich schwer, denn die Wanderung wird als sehr schön beschrieben. Stattdessen machen wir einen Spaziergang zu den Wasserfällen, der von Regenschauern begleitet wird. Ein weiterer Stopp im Baumarkt und beim Bäcker macht unser Nachmittagsprogramm komplett. Abends gucken wir uns Bad Urach mit Leben und ohne Regen in den Folgen „Fuchs und Gans“ an. Der letzte Gang des Tages mit Pauli ist tatsächlich regenfrei. Die Schirme schleppen wir gerne umsonst mit.

Mittwoch

Wir paddeln weiter. Heute geht es nach Altusried im Allgäu. Hier lebt und wirkt Kommissar Kluftinger, dessen Erlebnis „Herzblut“ wir gerade hören. Teile der A8 sind ganz neu gemacht. Da fährt sogar unser Cookie so still, dass man sich in aller Ruhe unterhalten kann. Liegt also gar nicht am Auto, sondern nur an den Straßen. Auf dem Weg fahren wir auf dem letzten Stück eine kleine Strecke an der Iller entlang. Dass der Fluss immer so breit ist, kann ich mir kaum vorstellen. Altusried ist ein kleiner Ort in der Nähe vom Kempten. Der tägliche Bedarf an Grundnahrungsmitteln wird hier gestillt. Auf dem Stellplatz am Freibad bekommen wir gerade noch einen Platz. Das Wetter haben wir mitgenommen, damit wir nicht aus dem Gleichgewicht kommen. Nachmittags machen wir sogar die Heizung in unserem Cookie an. Das tut gut.

Der Stellplatz liegt am Ortsausgang direkt neben einem Haus, auf dessen Grundstück mindestens vier Hunde jeden lautstark begrüßen, der sich in irgendeiner Weise dem Haus nähert. Ansonsten führt die Verbindungsstraße zum nächsten Ort am Platz vorbei, die sich großer Beliebtheit erfreut. Der Platz bietet Möglichkeit für Ver- und Entsorgung. Müll muss allerdings zu dem Freibad nach nebenan gebracht werden. Ein bisschen ungünstig bei Regen ist der Untergrund. An einigen Stellen steht das Wasser, sodass wir uns auf die Plätze für die langen Wohnmobile stellen. In der mittelbaren Nachbarschaft befindet sich eine Kuhweide. Das Läuten der Kuhglocken begleitet uns durch den Tag (zumindest wenn wir am Platz sind). Anmelden muss man sich im benachbarten Freibad. Dort kann man auch die zehn Euro pro Nacht bezahlen.

Unser doch oft so quirliger kleiner Terrier macht sich unter den widrigen Umständen echt gut. Natürlich fordert er seine Runden ein, ist sonst aber sehr chillig. Er schläft viel auf der Rückbank und lässt sich kraulen. Sehr vorbildlich! Sehr entspannt –  auf jeden Fall mehr als ich. Mir geht das Wetter echt auf die Nerven! Es reicht, ich will raus und das ohne Regenjacke, Schirm und mit kurzer Hose! Sehnsüchtig warten wir auf 21 Uhr, denn dann soll der Regen aufhören!

Donnerstag

Ungewöhnlich beginnt dieser Tag. Wir hören auf dem Dach unseres Cookies keinen einzigen Regentropfen. Und dem Fass schlägt es nahezu den Boden aus, als ich aus meiner Dachluke schaue. In der Ferne sehe ich die Alpen. Die waren gestern noch nicht einmal zu erahnen. Ungewöhnlich ist auch der Wecker im Urlaub. Heute treffen wir uns mit alten Freunden von Rainer in Kempten zum Frühstücken bei Franz & Xaver. Während wir da so sitzen und uns nett unterhalten, regnet es draußen auch nur einmal. Das war es dann auch für den Tag. Pauli und ich lernen Claudia und Markus kennen. Besonders zu erwähnen ist hier, dass der kleine Mann die beiden begrüßt, als wären sie auch von ihm alte Freunde. Rainer frischt sein Wissen wieder auf. Wir verabreden uns für die nächsten Tage zu einem Abendessen und einer Wanderung.

Rainer und ich erkunden mit Pauli zusammen die Innenstadt von Kempten. Kein Regen!  Auf dem Rückweg zum Stellplatz sehen wir bei großenteils blauem Himmel wie schön das Allgäu ist. Idylle. Wir können sogar draußen sitzen und unsere Sachen trocknen: Schirme, Schuhe, Socken, Handtücher, …

Freitag

Ich spare es mir zu erwähnen, wie wir heute Morgen geweckt wurden. Es ist nur so, dass wir mit Wandersachen bekleidet schon am Frühstückstisch sitzen und uns auf unsere erste Wanderung im Urlaub freuen. Leider fällt diese wieder ins Wasser. Es hört einfach nicht auf, vielmehr noch: es wird immer schlimmer. Ein ständiger Wechsel zwischen Hoffnung und Frust, bis wir uns dazu entscheiden, verschiedene Baummärkte in Kempten anzufahren und dort noch diverse Kleinigkeiten für den Cookie-Komfort zu kaufen. Auch ein bisschen Frustkauf… Aus Frackigkeit trage ich meine Wanderhose den ganzen Tag.

Gegen vier Uhr kommen wir bei Claudia und Markus an und erfreuen uns erst einmal an einem Kaffee. Es ist kaum zu glauben, aber der Regen hört auf, es klärt ein bisschen auf und man kann aus dem einen Küchenfenster den Säuling erkennen. Westlich davon ist die Zugspitze, soll sie sein. Die Wolken verdecken sie noch. Direkt vor uns die Alpspitze – unser Ziel für morgen. Durch das andere Küchenfenster sehen wir auf einen Hügel mit jungen Kühen. Ihr Glockengeläut soll uns die nächsten Tage begleiten. Fürs erste machen wir aber eine kleine Tour in die nähere Umgebung, um Pauli ein bisschen Auslauf zu geben. Es geht in ein Moor – aber nur auf Wegen und auf jeden Fall kontrolliert. Im Gegensatz zu unserer Moortour vor vier Jahren. Besonders zu erwähnen ist auch, dass wir bei herrlichem Sonnenschein spazieren. Großartig!!! Wir sind wirklich dankbar!

Während des Abends taucht die Zugspitze immer mehr aus den Wolken auf. Die Vorfreude auf morgen steigt!

Besonders zu erwähnen ist noch, dass wir in einer recht kurzen dafür aber im Verhältnis steilen Einfahrt stehen. Unsere Keile gleichen den Höhenunterschied nur marginal aus und unterschwellig habe ich beim Einschlafen ein wenig Angst, dass wir in der Nacht zum Nachbarn rübersollen.

Samstag

Unser Cookie steht so in der Einfahrt von Claudia und Markus Haus, dass mein Bettfenster nach Osten zeigt. Schon recht früh werde ich von Sonnenstrahlen geweckt. Wirkliche, echte Sonnenstrahlen! Es ist kaum zu glauben. Und er steht noch immer so, wie wir ihn gestern abgestellt haben. Keinen Millimeter gerutscht.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns zu fünft auf den Weg zur Alpspitze. Wir nehmen den Wasserfallweg. Kurz hinter der Talstation der Alpspitzbahn in Nesselwang starten wir unsere Tour. Es sollen etwa 440 Höhenmeter werden. Ein großer Teil des Weges ist mit Gitterrostreppen und -brücken ausgestattet. Für Menschen sicherlich eine der besten und sichersten Möglichkeiten, für Pauli aber eine Herausforderung, die er aber mit Bravour meistert. Dafür komme ich hin und wieder aus der Puste und wir müssen kleine Pausen einlegen. Zu schnell angefangen. Nach etwa zwei Stunden Anstieg – meist durch Wald – werden wir mit einer grandiosen Aussicht und erfrischendem Radler auf der Kappeler Alp belohnt.

Der Abend bringt ein bizarres Wolkenspiel mit sich. Gewitter in Österreich lassen den Himmel verrückt spielen.

Sonntag

Heute steht Füssen auf dem Programm. Die Strecke ist nicht weit, eher ein Katzensprung . Wir fahren Bundesstraße, weil am Grenzübergang Blockabfertigung angesagt ist und das Stau bedeutet. Das Wetter ist wunderbar. Die Sonne scheint und es ist noch angenehm warm. Auf dem Stellplatz dort treffen wir (geplant) Jötte, die schon eine Nacht dort sind.

Der Wohnmobilstellplatz Camper´s Stop liegt etwa zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt in einem kleinen Gewerbegebiet mit Lebensmitteldiscountern, Getränkemarkt, einem Laden für den tierischen Bedarf, Tierarzt, einem Elektromarkt, einem Möbelmarkt und einem Baumarkt! Für 14 Euro inklusive aller Entsorgung und Kurtaxe kann man hier eine Nacht stehen. Wasser gibt es auch, muss allerdings wie Strom zusätzlich bezahlt werden. Laut Platzordnung sind Hunde an der Leine zu führen.

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Die Königsschlösser schenken wir uns. Zu viel Tourismus. Auf der Straße neben uns stehen die Autos, um in die Stadt hineinzukommen. Ein großer Festumzug mit allerlei Trachten ist scheinbar der Grund. Genau diesen hören wir uns maximal aus der Ferne an. Mehr interessiert uns der Lechfall. Wegen des vielen Regens in den vergangenen Tagen ist der Lech sehr breit und leider grau. Sonst scheint das Wasser türkis und gibt dem Naturschauspiel eine noch imposantere Erscheinung.

Gegen Abend zieht der Himmel wieder zu. Der Unterschied zum Vortag ist, dass wir heute das Gewitter hautnah im Auto sitzend erleben. Leider stellt sich anschließend heraus, dass unser Glasdach ganz oben über dem Bett undicht zu sein scheint. Das Wasser läuft zwar nicht ins Bett, aber es kommt beim Fahren aus der Deckenverkleidung gelaufen. Es gibt immer was zu tun. Im Forum der James Cook Freunde steht eine Anleitung zur Reparatur, der wir uns nach dem Urlaub mal widmen werden…

Seit einiger Zeit verfolge ich gelegentlich den YouTube-Kanal von Leni&Toni. Genau die die beiden kamen mit Sohn und Hund auf den Platz gerollt… Auch eine interessante Begegnung ;-)

Montag

Der erste Gang des Tages führt mich – allerdings erst nach dem Frühstück – zu Obi. Mein Ziel ist es, den Spülenunterschrank neu einzuteilen. Das ist bitter nötig und gelingt auch nahezu einwandfrei.

Anschließend steht der Funktionsoutlet in Füssen auf dem Programm.  Die Zeit, die wir hier verbringen, kann ich schlecht schätzen. Ich erstehe eine Vor-Dem-Wohnmobil-Abend-Rumschlumpfhose.

Unser nächstes Ziel ist ein kleiner Campingplatz in Reutte. Er ist umgeben von Bergen und liegt am Ortsrand des kleinen Ortes. Wir beziehen zwei sehr große Parzellen nebeneinander und richten uns häuslich ein. Als alles soweit steht, radeln wir zum Frauensee. Keine fünf Kilometer entfernt, dafür müssen wir aber einen Höhenunterschied von etwa 140 Metern überwinden. Nicht schlecht. Es findet eine muntere Fahrradtauschaktion statt. Jörg tauscht sein Rad gegen meins mit Hänger und Pauli. Mit seinem Rad komme ich nicht klar und nehme meins zurück. Dafür nimmt Rainer Jörgs Rad und ich fahre mit meinem eine paar Meter weiter. Dann tauschen Annette und ich. Ich fahre jetzt e-bikemäßig den Berg hoch und habe kein Problem mehr. Bin damit auch als erste am See. Gefolgt von Rainer. Annette und Jörg bilden mit Pauli die Nachhut. Der See entschädigt für die Anfahrt. Das Wasser ist zwar eiskalt und diese Temperatur muss erst überwunden werden, aber dann habe ich mal wieder Freude am Schwimmen. Selbst Pauli überwindet sich und steht bis zum Bauch im Wasser. Tiefer ist für ihn auch mit viel gutem Zureden keine Option.

Vor einem kleinen Gewitter mit anschließendem Regenbogenalarm kommen wir wieder an den Wohnmobilen an.

Dienstag

Heute steht der Hahnenkamm auf dem Programm. Mit der Reuttener Bergbahn fahren wir von Höfen aus bis zur Bergstation. Hunde werden kostenlos transportiert und haben auch im Gegensatz zu öffentlichen Verkehrsmitteln keinen Maulkorbzwang. Für uns kostet die Fahrt drei Euro pro Person, weil wir über den Campingplatz in Besitz der Gästekarte sind. Oben angekommen machen wir uns auf den Weg zu dem eigentlichen Gipfel. Während des gesamten Anstiegs haben wir die Zugspitze im Nacken. Vom Gipfelkreuz aus haben wir einen wunderschönen Ausblick ins Tannheimer Tal und den Haldensee. Auf der Lech-Aschauer-Alm machen wir eine kleine Pause. Diese erreichen wir nur, indem wir durch eine kleine Kuhherde hindurch laufen, die rechts und links vom Weg liegt und steht. Nach bestandener Durchquerung teilen wir uns eine große Portion Kaiserschmarren. Sehr lecker!

Den Berg hinab verzichten wir auf die Bahn und nehmen einen Rundweg über die Gehrenalpe ins Tal. Auf diesem Wegstück ist Kuhbegegnung für Fortgeschrittene angesagt. Die Tiere belagern regelrecht den Weg. In der letzten Zeit habe ich immer wieder davon gelesen, dass Kühe in Hunden Feinde sehen, weil sie Angst um ihre Kälber haben. Es kam sogar schon zu Todesfällen. Ein Hinweisschild gibt darüber Auskunft, dass im Notfall einfach die Leine losgelassen werden soll. Beruhigung sieht anders aus. Wir schaffen es, und um die Kühe herum zu schlängeln. Pauli hat den Weg mit Jörg gemeistert. Kühe passen freilaufend nicht so in unser Portfolio. Weitere Begegnungen finden nicht mehr statt, weil wir sehr darauf achten und andere Wege nehmen. Der Rundweg führt uns immer mal wieder bergauf, die meiste Zeit jedoch bergab, so dass wir nach etwa zwei Stunden unsere Räder an der Talstation erreichen. Genau das war der besondere Gimmick an der Tour: sie ist von einer kleinen Fahrradtour eingerahmt. Pauli wird von Annette gezogen. Das macht es für mich einfacher.

Wir haben ein bisschen Zeit zum Duschen, dann geht es auch schon weiter. Heute Abend sind wir bei Freunden von Jötte eingeladen, die zeitweise in Wängle leben. Also fast wieder zurück zur Talstation. Wir kommen in eine Frauengruppe hinein, die es in sich hat. Der Abend beginnt ruhig mit einem leckeren Abendessen und endet in einem kleinen Mitsingkonzert dem soeben gegründeten Frauenchor „Schallgeruch“.

Mittwoch

Ruhetag. Wir sehen uns lediglich Reutte an, sind davon aber mittelprächtig begeistert. Immerhin erstehen wir eine Schuhbürste und entsprechendes Lederfett. Damit können die Wanderschuhe für die nächste Tour wieder fit gemacht werden.

Das herausragendste Ereignis des Tages: Rainer wurde das erste Mal in seinem Leben von einer Wespe gestochen. Damit ist dieses Mysterium auch etwas entzaubert. Sein Mittelfinger der rechten Hand ist weder angeschwollen noch abgefallen. Das Leben nimmt seinen normalen Gang und geht weiter. Er mit gestochenem Mittelfinger mittendrin.

Donnerstag

Das Wetter in Tirol soll ab dem Wochenende schlechter werden. Bayern verspricht auch keine Sonne. Anhaltenden Regen über mehrere Tage wollen wir in diesem Urlaub wirklich nicht mehr erleben und so nehmen wir den Fernpass, überqueren den Brenner und fahren nach Südtirol in einen kleinen Ort namens Tisens zwischen Meran und Bozen. Es geht ganz schön bergauf und schließlich noch mehr hergab durch landschaftlich wunderschönes Gebiet. Rainer und der Cookie machen das hervorragend.

Nach etwas mehr als drei Stunden kommen wir in Tisens an. Die letzte Strecke geht in fünf Kehren bergauf. Eine kleine Holzbrücke in Prissian (kurz vor dem Ziel) mit Durchfahrtshöhe von drei Metern wurde uns schon angekündigt. Auch mit unserer Höhe von 3,15 Metern kein Problem. Auf dem Campingplatz Camping Tisens bekommen wir die Reserveplätze auf dem Dach der sanitären Anlagen. Hier haben wir einen guten Blick auf die Anlage samt Schwimmbad, die dahinterliegenden Berge und jede Menge Raum für die eigene Entfaltung. Bei einem Rundgang über den Platz sehen wir, wie eng die anderen Camper stehen – zwar im Schatten, aber eng. Der Platz ist eher ein Familiencampingplatz mit der dazugehörigen Geräuschkulisse. Ohne Zweifel ist er schön, aber man darf sich nicht auf Ruhe einstellen – zumindest nicht, wenn man nicht die Komfortplätze bucht. Die Sonne schockt uns ein bisschen, aber es wird schon irgendwie gehen. Übermorgen soll es etwas kühler werden. So richtig kann man es uns auch nicht recht machen…

Freitag

Heute soll es noch einmal heiß werden, dann abkühlen. Daher planen wir nach dem Frühstück – so gegen Mittag – nur eine kleine Tour zur Burgruine Pfefferburg. Dort gibt es ein Café, in dem wir uns ein wenig stärken wollen. Zuerst nehmen wir den Nachbarort Prissian ins Visier, um dort die berüchtigte Drei-Meter-Brücke ins Visier zu nehmen. Von dort aus geht dann zu der Ruine. Ernüchternd stellen wir fest, dass das Café geschlossen hat. Trauerfall. Komplett geschlossen, so sieht es zumindest aus. Im Schatten der Ruine beschließen wir, in den nächsten Ort zu laufen: Nals. Schnell wird die kleine Tour vergrößert. Das Wetter spielt keine große Rolle mehr. Zunächst geht es ja auch nur bergab. Der Untergrund wechselt von Asphalt zu holprigem Stein oder Fels. Die meiste Zeit verläuft die Strecke im Schatten. In Nals angekommen erfrischen wir uns ausgiebig. Die Geschäfte gehen gerade in die Siesta und uns bleibt nur noch der Rückweg. Jetzt geht es quasi nur noch bergauf: 330 Höhenmeter verteilt auf 4 Kilometer. Es ist schön zu wissen, was noch so geht. Pauli macht gut mit, wenn er auch lieber im Schatten liegen würde und dies auch immer wieder mal versucht.

Samstag

Der ganz frühe Morgen beginnt mit einem Gewitter. Oder vielleicht hat der gestrige Tag sich auch so verabschiedet. Es ist auf jeden Fall so, dass Wind unser Schlafgemach durchströmt. Sehr angenehm. Wie versprochen ist es heute kühler. Ein ganz kleines bisschen nur, aber immerhin. Gelegenheit zu einer größeren Wanderung also. Wir planen, heute nach Lana zu wandern. Hin und zurück sollen es etwa zwölf Kilometer bei nicht wenigen Höhenmetern werden. Unser Weg führt uns durch Apfelplantagen erst aus Tisens hinaus und dann in einen Berg hinein und hinauf. Der Weg führt uns bunt gemischt durch Wald, Sonne, über kleine Straßen, befestigte Wanderwege oder solche, die eher steinig und wurzelig sind. So ist für jeden Haut- und Schuhtyp etwas dabei. In einer Kehre erleben wir ein merkwürdiges Phänomen. Auf der einen Seite befindet sich ein Wald am Hang, auf der anderen Seite eine Apfelplantage. Von bewaldeten Hangseite strömt sehr kalte Luft auf den Weg. Nicht nur kühle Luft, sondern wirklich kalt… Eine Erklärung finden wir in unseren Köpfen nicht. Laut Internet handelt es sich um die sogenannten Eislöcher. Ein kleines Stück weiter stellt uns der Weg vor ein weiteres Rätsel: unser Wanderweg ist gesperrt und die Umleitung ist uns bei der Sonnenintensität zu lang. Also beschließen wir umzudrehen und einen anderen Abzweig zurück nach Tisens zu nehmen. Durch eine Bewässerungsanlage einer Apfelplantage kommen wir in den Genuss partiellen Regens. Wunderbar!

Eine weitere schöne Überraschung wartet nach einem weiteren kurzen Stück auf uns: ein kleiner Rastplatz mit Selbstbedienung gegen Spende. Es werden Getränke und Kuchen angeboten. Wir löschen unseren Durst und genießen die schöne Aussicht. Pauli ist von den freilaufenden Tieren beeindruckt: Pfauen kreuzen unseren Weg, Hühner sitzen am Boden im Sand und Gänse laufen unter den Apfelbäumen her. Damit ist der Rest des Weges ein Kinderspiel. Aus den geplanten zwölf wurden nur knapp zehn mit 530 Höhenmetern.

Als wir diesen Holzstapel passieren, werden wir von einem wunderbar intensiven Geruch nach Holz empfangen. 

 

 

 

 

Nicht ganz freiwillig nimmt Pauli eine Dusche.

Nach einem wunderbaren Abendessen in der ortsansässigen Pizzeria „Tisene“ (Hier waren wir am ersten Abend schon einmal. Rainer hat bei der Gelegenheit seine Kappe verloren, am nächsten Tag danach gefragt – negativ. Heute bekommt er sie zurück, wurde im Gebüsch in der Nähe gefunden.) beenden wir den Abend und die gemeinsame Zeit mit Jötte mit einem Glas Wein. Morgen werden sich unsere Wege trennen. Wir wollen nach Innsbruck, sie zurück in die Gegend von Reutte.

Südtirol zeigt sich in unserer letzten Nacht von einer uns bisher nicht bekannten Seite: es regnet und gewittert gefühlt ohne Ende.

Sonntag

Der Morgen beginnt trocken, wenn auch viel nass ist. Zumindest können wir noch draußen frühstücken, unsere Sachen zusammen packen und ein Foto von Cookie mit der niedrigen Brücke machen. Dann beginnt der Regen, der uns auf der gesamten Fahrt begleitet. Es ist beeindruckend. Die Wolken hängen so tief, dass wir quasi durch sie hindurchfahren.

In Hall bei Innsbruck wollen wir auf einen Stellplatz fahren, der wird aber gerade wegen der Wassermassen geschlossen. Deswegen und weil nicht einen Dreiviertel Tag bei Regen in einem stehenden Wohnmobil sitzen wollen, beschließen wir noch ein bisschen zu fahren. Bei Kufstein verlassen wir die Autobahn und fahren über den Ursprungspass nach Deutschland hinein. Um es ganz genau zu sagen: zuerst wird uns mitgeteilt, dass wir uns im Landkreis Miesbach befinden, ein paar Meter weiter steht ein Schild, das uns zu erkennen gibt, dass wir im Freistaat Bayern angekommen sind. Schließlich passieren wir das gewohnte Schild mit der Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland“. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob das in anderen Regionen auch so ist. Hier fällt es uns auf. Kurz hinter Grenze kommen wir in den kleinen Ort Bayrischzell, den ich mir viel größer vorgestellt habe. Rainer hat sich gar nichts vorgestellt, weil er das 1591-Seelen-Örtchen noch nie gehört hat. Mir ist es aus welchem Grund auch immer geläufig.

Am Aubach und der B 307 liegt der Stellplatz am Seeberg, auf dem wir noch locker einen Platz bekommen. Die Straße hört man schon, wer auf absolute Ruhe steht, steht hier falsch. Für zehn Euro kann man hier 24 Stunden verweilen. An Ver- und Entsorgung ist gedacht und Strom gibt es auch. Nicht weit entfernt gibt es einen Supermarkt, eine Bäckerei und eine Konditorei. Mehr können wir zur Zeit nicht angeben, weil wir es bei dem Regen nur zur Konditorei schaffen und uns dort Kuchen holen. Immerhin gab es um vier Uhr noch eine reichliche Auswahl. Der Kuchen schmeckt hervorragend.

Gegen Abend hört der Regen auf und der Platz füllt sich. Wir machen eine kleine Runde durch den Ort. Dabei lernt Pauli das Wesen kennen, weswegen seine Rasse gezüchtet wurde. Meister Dachs ist allerdings hinter Glas und gehört zur Dekoration eines Trachtenladens.

Montag

Bayrischzell kann auch Sonne und genau diese zeigt die Stadt und ihre Umgebung heute. Natürlich machen wir wieder eine kleine Wanderung. Wirklich klein. Es werden nur knapp zehn Kilometer ohne nennenswerte Höhenunterschiede. Von unserem Stellplatz gehen wir entlang der Leitzach los in Richtung Geitau. Den Ort erreichen wir gewollt nicht. In Osterhofen macht der Weg eine scharfe Kehre und wir laufen am Fuß des Wendelsteigs entlang wieder auf Bayrischzell zu. Jetzt wird der Weg etwas unebener und es geht ab und zu etwas auf und ab. Auf dem Weg liegen die Wasserfälle am Tatzlwurm. In „Andreas Stüberl“ lassen wir uns ein Radler schmecken und gehen von dort in einem großen Bogen wieder zum Stellplatz zurück.

Dienstag

Der Tag steht ganz unter dem Motto „Lieber der Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“ oder „Should I stay or should I go?“ Wir können uns bezüglich des nächsten Stellplatzes einfach nicht entscheiden. Der Walchensee steht ganz hoch im Kurs oder ein Platz in der Nähe vom Schliersee. Rainer leert auf alle Fälle schon mal das Grauwasser, während ich noch ein bisschen nachdenke. Schließlich kommen wir zu dem Entschluss, dass wir einfach noch bleiben. Wir stellen den Cookie ein paar Meter nach rechts, tanken vorher eine gute Portion Wasser und haben das Gefühl, neu angekommen zu sein. Wir schnallen die Räder vom Cookie und den Hänger an mein Rad. Wir wollen eine Runde Radfahren. Unser Ziel ist der 18 Kilometer entfernte Schliersee. Wir fahren über einen Radwanderweg, der im Prinzip in ordentlichem Abstand parallel zur B 307 verläuft, sie auch mal kreuzt und dann wieder in den angrenzenden Wiesen und Wäldern verschwindet. Die Gegend ist teilweise wie gemalt.  Wir fahren gemütlich, um die die Gemälde eingehend studieren zu können. Leider ist keine Gelegenheit für Fotos. Die würden die Wirklichkeit sowieso nur verfälscht wiedergeben. Nach etwa eineinhalb Stunden kommen wir in Fischhausen am Schliersee an. Am Uferweg, der auch noch als Radweg ausgeschildert ist, fahren ist hier aber unmöglich. Schon erstaunlich, was Menschen als Erholung bezeichnen. Wir müssen fast aufpassen, dass wir unsere Räder nicht über die am Ufer liegenden Menschen schieben. Um es kurz zu machen: es gefällt uns hier nicht besonders. Zu voll, zu viel Tourinepp. Nach einem ausgewachsenen Fußweg durch Schliersee finden wir ein Restaurant, in dem wir eine ausgiebige Mahlzeit mit Radler zu uns nehmen. Den Rückweg fahren wir eher direkt, viel an der Bundesstraße auf Radwegen entlang. Der Himmel ist inzwischen dunkel geworden und das liegt nicht an der fortgeschrittenen Uhrzeit. Regen gibt es aber nicht. Nach etwa einer Stunde sind wir am Stellplatz. Es gibt wieder jede Menge neue Nachbarn aus verschiedenen Teilen Europas. Den Tag beenden wir mit einem Gewitter, das Pauli im Schlaf des Gerechten erlebt.

Mittwoch

Gefühlt regnet es die ganze Nacht. Unendliche Wassermassen kommen vom Himmel. Zwischen meinen Träumen überlege ich, ob wir am nächsten Tag eine Wanderung wagen können. Zwei hatten wir in die nähere Wahl genommen. Beim Austehen ist es aber trocken und die Sonne scheint. Eine gute Gelegenheit, die Wasserfallwanderung zu machen. Gegen Mittag machen wir uns dann auf den Weg zu den Tatzlwurm-Wasserfällen über das untere Sudelfeld. Es hat ein bisschen abgekühlt, was uns aber nicht stört. Hinter „Andreas Stüberl“ steigen wir in den Berg ein. Zunächst geht es eine Talabfahrtspiste hinauf, die es ganz schön in sich hat. Linker Hand rauscht ein Bach den Berg hinunter. Beim „Berggasthof Sudelfeld“ erreichen wir nach etwa einer Stunde den höchsten Punkt unserer Wanderung: 1097 m ü. NN. Hier kommen wir etwas ins Stocken, denn unser Wanderweg ist durch eine Baustelle versperrt. Die Umleitung will uns über ein Stück Straße führen, keine Angabe dazu, wie lange diese sein soll. Ein bisschen unglücklich. Ein paar nette Worte mit den Bauarbeitern rainerseits, machen es möglich, dass wir die Baustelle betreten dürfen und so einen weiteren Anstieg sparen, wie wir aber erst auf dem Rückweg merken. An die Baustelle schließt sich direkt eine große Weidefläche an. Im Winter das Skigebiet Sudelfeld. Wir gehen ein paar Meter und sehen auch schon die ersten Wegelagerer. Dass Kühe auch immer an den Wegen liegen müssen… Pauli findet die Kühe auch nicht gut und das bereitet mir Bauchschmerzen. Rainer nimmt den kleinen Stinker kurzerhand auf den Arm, er hält den Mund und die Kühe fühlen sich nicht provoziert. Hinter der Weide beginnt der reizvollere Teil der Wanderung. Wieder begleitet ein Bach unseren Weg, mal rechts von uns, mal links. Wir laufen über Weiden, durch kleine Wälder und es geht im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein. Wir sind froh, dass wir unsere Bergschuhe tragen. Kühen begegnen wir keinen mehr, obwohl wir immer wieder Weideabsperrungen überklettern. Der Auerbach wird immer breiter und mächtiger, was sicherlich auch den Wassermassen der letzten Nacht geschuldet ist. Er stürzt sich den Berg hinab. Nach etwa zweieinhalb Stunden und 8 Kilometern (290 Meter hinauf, 310 Meter hinab) kommen wir an den Wasserfällen an und sind überwältigt. Hier treffen wir auch endlich auf Menschen. Während der Wanderung waren diese eher Mangelware. In dem Gasthaus „Feuriger Tatzelwurm“ stärken wir uns bei einer kleinen Brotzeit. Insgeheim hoffe ich auf den Sammelbus, der uns wieder mit nach Bayrischzell nehmen kann, aber das wird nichts. Wir müssten zwei Stunden auf dem Berg warten… Keine gute Idee. Außerdem denke ich immer wieder an den Ausspruch von Claudia vor gut eineinhalb Wochen, die ein Zitat von Hans Kammerlander nannte „Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist – denn vorher gehörst du ihm.“ Einen richtigen Gipfel haben wir nicht gehabt, aber ein Ziel. Es fühlt sich daher ganz gut an, als wir uns zu Fuß wieder auf den Rückweg machen. Einmal müssen wir dabei noch durch eine Kuhherde gehen. Pauli dabei zu tragen ist wieder eine gute Idee.

Am Abend kann ich Dank Rainers Unterstützung sagen, warum mir der Ort Bayrischzell geläufig ist. Wie er so ist, überprüft er den ÖPNV. Dabei gibt er an, dass von hier Züge nach München fahren. Der Klick in meinem Kopf ist förmlich zu spüren: wenn ich früher meine Tante und meinen Onkel in Bad Tölz besucht habe, musste man in München am Hauptbahnhof in einen Zug nach Bayrischzell steigen.

Donnerstag

Wieder liegt eine Gewitternacht hinter uns. Der Morgen ist aber noch trocken. Wir reisen heute weiter. Es soll nach Bad Tölz gehen. Hier möchte ich den älteren Bruder meines Vaters und seine Frau besuchen.

Auf dem Stellplatz Isarwinkel bekommen wir einen schönen Platz direkt am Wasser. Der Platz bietet Ver- und Entsorgung, verfügt fast überall über einen festen Untergrund und ist etwa zwanzig Minuten von der Innenstadt entfernt. Strom gibt es nicht. Für acht Euro kann man hier eine Nacht stehen.

Bei Kaffee und Kuchen erleben wir eine schöne Zeit mit sehr interessanten Gesprächen und Erzählungen über die Kriegserlebnisse meines Onkels, die ich noch nie gehört habe. Wie so viele junge Männer wurde auch er in den letzten Kriegsmonaten im Alter von etwa 15 Jahren eingezogen, um den Krieg noch zu gewinnen. Auch von meinem Opa erzählte er, den ich leider nie kennengelernt habe.

Viel können wir uns von Bad Tölz nicht ansehen, denn ein Regengebiet hat Deutschland mal wieder fest im Griff. Unseren Platz direkt am Ufer verlassen wir, weil sich davor riesige Pfützen bilden. In der zweiten Reihe läuft das Wasser besser ab.

Freitag

Bei neun Grad und Regen verlassen wir Bad Tölz schon wieder und fahren Richtung Norden. Unser Ziel soll Bamberg werden. Vor dem Wechsel auf die A9 kommen wir in den ersten Stau des Urlaubs. An dieser Straße sehen wir zum ersten Mal bewusst Hopfenfelder. Irgendwo muss er ja wachsen. Die Staus setzen sich fort und wir fahren sechs Stunden statt geplanten drei nach Bamberg: Baustellen, Einsatz eines Rettungshubschraubers und ein brennender LKW. Wir sind dankbar, dass wir davon nur die Baustellen wirklich gesehen haben. In Bamberg bekommen wir wegen der späteren Ankunft keinen Platz mehr auf dem Stellplatz nahe der Innenstadt mit Ver- und Entsorgung und Strom.

Wir fahren weiter auf den zweiten Platz am Ort beim örtlichen Schwimmbad „Bambados“. Hier gibt es noch einige freie Plätze auf Wiese (aber nicht matschig) von denen wir einen nehmen. Es gibt keine Ver- und Entsorgung und auch keinen Strom. Gut, dass wir genug Wasser an Bord haben.

In die Innenstadt laufen wir etwa eine Dreiviertelstunde. Nach der langen Fahrt eigentlich eine gute Idee. Zu Beginn unseres Fußmarsches nieselt es nur. Nach kurzer Zeit wird aus dem Nieselregen aber ein ausgewachsener Regen. Wir sind auf der Suche nach etwas zu Essen und damit in guter Gesellschaft. Wir stellen uns vor, in einem Brauhaus einen Happen zu essen und dabei ein schönes Bier zu trinken. Weit gefehlt. Alle Brauhäuser sind innen besetzt oder reserviert. Draußen unter tropfenden Schirmen ist keine Option, denn inzwischen sind wir ganz schön nass – trotz Schirm. Also machen wir uns wieder auf den Weg stadtauswärts und kehren in eine Pizzeria ein. Typisch fränkisch!

Samstag

Über Nacht trocknen unsere Sachen. Bestimmt war die Heizung, die wir am Abend zuvor noch angemacht haben, nicht ganz unschuldig daran. Nach dem Frühstück machen wir uns regenlos (!) noch einmal auf den Weg in die Stadt. Es wird sogar warm. Fleece und Softshell – am Abend vorher noch eine gut zu gebrauchende Kombination – ist jetzt definitiv zu viel! Gutes Zeichen! Während wir in einem Café sitzen, kommt sogar die Sonne für kurze Zeit heraus und die ohnehin schöne Stadt sieht noch schöner aus.

Kurz nach Mittag machen wir uns wieder auf den Weg zum Cookie. Jetzt mit dem Bus. Unser nächstes Ziel ist Ulrichstein im Vogelsbergkreis, mit 563 Metern die höchste Stadt in Hessen. Auf dem Stellplatz dort bekommen wir gerade noch einen Platz.

 

Der Reisemobilstellplatz Panoramablick, den wir über viele Umleitungen erreichen, hat 12 Asphaltplätze, von denen die Hälfte mit Strom ausgestattet sind. Außerdem ist es hier Ver- und Entsorgung zumindest theoretisch möglich. Wasser ist zur Zeit kein Trinkwasser. Hoffen wir, dass unsere Reserven ausreichen. Wir bekommen gerade noch einen Platz und stellen uns in den beginnenden Regen. Zwischen 19 und 20 Uhr kommt laut Informationstafel die Platzwartin vorbei und sammelt den Übernachtungsbetrag von fünf Euro ein. Oder auch nicht…

Sonntag

Heute wird das Wetter besser. Als wir gegen halb neun aufwachen, hat der Regen schon aufgehört und es ist heller als gestern zur Ankunftszeit. Dafür kommt durch das geöffnete Fenster ganz schön kühle Luft hinein. Brötchen bekommt man hier im Ort sonntags nicht. Wir haben uns schon sowas gedacht und uns mit etwas Brot eingedeckt. Während des Frühstücks schauert es noch das eine oder andere Mal, aber dann ist wirklich Schluss. Es reicht auch. Die Sonne versucht sogar sich durch die Wolken zu drücken. So ganz gelingt ihr das bei unserem Spaziergang zur Burgruine von Ulrichstein noch nicht.

Erst als wir unsere Zelte abbrechen, um uns weiter auf den Weg zu machen, traut sie sich ein bisschen mehr hervor. Und auf der Fahrt zu unserem nächsten Ziel muss man teilweise die Augen zusammen kneifen. Fast auf dem Weg nach Hause wohnt noch Verwandtschaft – Bruder und Eltern, wobei die Eltern selbst im Urlaub sind. Wir laden uns für den Nachmittag ein. Nach einem Spaziergang zieht es Pauli zu seinen „Großeltern“. Er versteht es kaum, dass sie ihm nicht die Tür öffnen.

So endet nach etwa 2000 Kilometern ein schöner Urlaub mit vielen besonderen und schönen Begegnungen und ganz viel Bewahrung. Dafür sind wir wirklich dankbar.

©KS2017

1 Kommentar

  1. eigentlich hattet Ihr einen schönen und feuchtfröhlichen Urlaub gehabt – eben ein besonderes Erlebnis. Mama ist mit Euch mitgewandert und freut sich über die schöne Landschaft, die Ihr in Bildern vermittelt habt.

    Viele Grüße bis bald

    Mama und Papa

    Antworten

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