Himmelfahrt an der Mosel

von | Mai 16, 2018 | ohneumweg-unterwegs | 0 Kommentare

Ein gemeinsames Wohnmobilwochenende mit Jötte steht vor der Tür und die Frage lautet: Wo fahren wir hin? Wegen des zu erwartenden Andrangs und der Notwendigkeit, zwei Mobile nebeneinander stellen zu wollen, machen wir uns schon am Wochenende vorher auf die Suche. Zu dem schon genannten Kriterium kommen noch folgende: keine Rasenplatz wegen Pollen, nicht zu weit weg von der Heimat, Versorgung mit Strom und die Möglichkeit zu reservieren. Das schränkt die Auswahl beträchtlich ein. Viele Plätze, die wir anschreiben und anrufen sind schon ausgebucht, bei anderen ist eine Reservierung nicht oder nur für Gruppen möglich. Schließlich finden wir einen kleinen Platz in dem etwa 150 Kilometer entfernten Piesport, auf den alle Kriterien zutreffen.

Der etwa 2000 einwohnerfassende Ort liegt bei Kilometer 147 an der Mosel zwischen Cochem und Trier und ist der größte deutsche Weinbauort an dem Fluss. Keine Panik, wir kannten den Ort vor unserer Suche nach einem Ziel auch nicht…

 

Der hell geschotterte innerorts, sehr ruhig gelegene Platz bietet sieben Wohnmobilen die Möglichkeit hier zu stehen. Vier davon können mit Strom versorgt werden. Die Versorgung mit Wasser ist gewährleistet. Eine Entsorgung gibt es nicht. Auch Müll muss mitgenommen werden. Die freundlichen Betreiber erleben wir bei unserem Abendessen im zugehörigen Kelterhaus etwas mehr. Mit dem O2-Netz hat man hier keinen/kaum Empfang. Es reicht nicht, um Browserseiten aufzurufen.

Gegen 14 Uhr kommen wir mit Jötte gemeinsam an. Das Wetter ist lange nicht so schön wie an den vergangen Tagen, an denen wir von der Sonne regelrecht verwöhnt wurden. Hin und wieder regnet es auf der Fahrt. Bei unserer Ankunft ist damit aber Schluss. So können wir Kaffee, Kuchen und den obligatorischen Sekt unter freiem Himmel zu uns nehmen, ohne einen Regenschirm nutzen zu müssen. Anschließend sehen wir uns in dem kleinen Ort etwas um.

Der nächste Morgen beginnt sonnig. Es wird schön warm, aber nicht übermäßig heiß. Genau richtig für eine Radtour in das etwa 20 Kilometer entfernte Bernkastel-Kues. Es geht grob an der Mosel und der begleitenden Bundesstraße entlang. Das Fahren direkt am Moselufer ist leider nicht durchgehend möglich. Der Ort ist touristisch, wie viele der Moselorte und Dank des schönen Wetters und des langen Wochenendes auch völlig überlaufen. Uns wundert die hohe Anzahl von Hunden, die sich mit ihren Besitzern das Städtchen ansehen. Pauli lässt sich von ihnen aber nicht negativ beeinflussen und macht seine Sache sehr gut. Er lernt sogar eine zwölfjährige Engländerin kennen und ein bisschen lieben.

Unser Abendessen wird ein Experiment mit dem Backofen für den Gasherd. Es soll eine Tortilla geben, dazu Hähnchenbrustfilet aus der Pfanne. Das Vorbereiten des Essens ist schon aufwändig. Pellkartoffeln kochen und anschließend alles für die Form vorbereiten. Zuletzt muss die Tortilla eine Stunde bei kleiner Flamme backen. Aber: das Ergebnis hat sich gelohnt! Sieht gut aus und schmeckt hervorragend! Damit ist die Kaufentscheidung auch für uns gefallen, die ich am Samstagmorgen mit etwas besserem Internet aus dem Hochbett in die Tat umsetze. 

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und fahren alleine noch eine Etappe weiter in das etwa 30 Kilometer entfernte Pünderich. Unser Navi macht sich einen Spaß daraus, uns zweimal die Weinberge hinauf zu schicken und dann natürlich auch wieder hinunter. Kleine Bergwertung an diesem Tag. Gegen halb eins kommen wir in Pünderich an – nachdem unser Navi uns ein zweites Mal veräppelt, es wollte uns durch den engen Ortskern schicken, glücklicherweise stand an der Straße ein aufmerksamer Zeitgenosse  – und können uns den letzten  Platz sichern!

Der Wohnmobilstellplatz in Pünderich bietet Platz für 80 Wohnmobile. Entsorgen kann man hier alles, Versorgung mit Wasser und Strom ist auch möglich. Ohne diesen kostet ein Platz für eine Nacht 7,00 €, mit Strom 8,50 €. Frischwasser, Brauchwasser-  und Toilettenentsorgung ist kostenfrei. Der Platz liegt wunderschön an einer Wiese. Dahinter befindet sich die Mosel und wir haben einen grandiosen Blick auf das gegenüberliegende Moselufer mit seinen wunderschönen Weinbergen. Zweimal am Tag kommt der Platzwart vorbei und bittet zur Kasse.

In Pünderich selbst gibt es zahlreiche Weingüter mit Straußenwirtschaften, ansonsten aber kaum Versorgung. Lebensmittel muss man im nächsten Ort kaufen. Das Wetter ist heute wieder fabelhaft, nachdem wir uns eingerichtet haben, machen wir eine Runde durch den Ort und schlendern ein bisschen an der Mosel entlang. Auf dem Rückweg kehren wir in einer Straußenwirtschaft ein und erfrischen uns mit einer Weißweinschorle und einem Happen zu Essen. An diesem Wochenende ist ein Weinstraßenfest in dem Ort – ähnlich wie auch in Piesport.

Pünderich ist auch der Ort, in dem wir mit meiner gesamten Familie Silvester 2007/2008 verbracht haben. Besonders beeindruckt hat mich damals, der Brauch des Ortes, nach Mitternacht sich an der Kirche zu versammeln, um das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ anzustimmen.

Gegen Abend haben wir plötzlich ein ganz anderes Thema. Der letzte Spieltag in der Bundesliga geht dem Ende entgegen und nur durch SMS (mangels Internet) von meinen Brüdern bekomm wir die für Rainer wichtigsten Informationen mit. Sein HSV gewinnt die Partie gegen Gladbach 2:1. Wolfsburg, direkter Gegner und Mitstreiter um einen Relegationsplatz, besiegt Köln aber auch und damit ist die Chance auf ein drittes Schweinchen vertan. Nach 55 Jahren nimmt der HSV einen Platz in der 2. Liga ein. Die Uhr geht aus…

Am nächsten Morgen – oder schon in der Nacht kommt der versprochene Regen. Es prasselt ganz schön heftig auf das Cookiedach und es hört die gesamte Fahrt nach Hause nicht mehr auf.

©KS2018

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