Kiki schreibt
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Lasst uns frooh* uund* munter sein…

„Lasst uns froh und munter sein
und uns recht von Herzen freu’n!
Lustig, lustig, traleralala,
bald ist Nikolausabend da,
bald ist Nikolausabend da!“

So froh, munter und lustig, wie Josef Annegarn (1794-1843) den Nikolaus in seinem bekannten Kinderlied beschreibt, habe ich ich in meiner Kindheit einen Nachahmer leider nicht erlebt. Mein erster Nikolauskontakt fand auf einer großen Veranstaltung statt, zu der wir als Familie damals gegangen sind. Ich kann nicht mehr sagen, wer die Veranstaltung ausgerichtet hat. Der Raum war voll mit vielen Kindern und Erwachsenen. Vor einer Bühne waren Stühle aufgebaut und die Kinder mussten sich in die ersten Reihen setzen, die Erwachsenen weiter nach hinten.  Das Licht war nur an wenigen Stellen eingeschaltet und wurde später noch weiter reduziert. Alles für die Stimmung. Mein etwa ein Jahr jüngerer Bruder und ich setzten uns in eine der ersten Reihen und die Nikolausfeier begann. Was genau alles passierte, kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß nur noch, dass mir nicht zum Feiern zumute war. Plötzlich war in einem Nebenraum ein unglaubliches und für mich furchteinflößendes Poltern zu hören. Und dann stand er auch schon da: Der Nikolaus. Den Mann, den alle Kinde herbeisehnen und der so viel Gutes bringt. Ob er seinen Knecht Ruprecht neben sich hatte, kann ich nicht mehr sagen. Für mich war diese Erscheinung spannend genug. Mit lauter und wortgewaltiger Stimme verlas er die Namen der Kinder und fragte sie, ob sie brav gewesen sind. Für mich eine große Herausausforderung in mehreren Ebenen:

  1. Ich musste vor eine großen Menge Menschen reden – damals war das so gar nicht mein Ding.
  2. Ich war nicht immer brav! Damit fiel ich schon aus der Gruppe der Kinder heraus, die Geschenke bekommen.
  3. Ich wusste schon damals, dass ich nicht lügen darf. Außerdem saßen ja meine Eltern in einiger Entfernung hinter mir und würden jede Lüge aufdecken können.
  4. Ich wollte unbedingt an die Geschenke für mich, die in dem Sack steckten.

Wahrscheinlich habe ich gar nicht gesprochen, als mein Name aufgerufen wurde und bin so in den Besitz der Backutensilien gekommen. Für mich war es ein Rätsel, woher der Nikolaus wusste, dass ich solche Sachen gebrauchen konnte.

In den folgenden Jahren trat der Nikolaus weniger aufregend in mein Leben. Am Morgen des 6. Dezember lag lediglich das Jutesäckchen, das auch schon der erste Nikolaus hatte neben meinem Bett und war gefüllt mir Leckereien und kleinen Geschenken. Im Laufe der zeit wurden die Leckereien mehr und Geschenke weniger, bis sie sich irgendwann an Null anlehnten. Geputzte Schuhe vor die Tür stellen und am besten noch einen Teller mit Keksen und ein Glas Milch dazu, waren für mich völlig unbekannte Bräuche. Hätte auch wenig Sinn ergeben, denn schnell war klar, dass meine Mutter den Nikolaus spielte. Was sollte sie noch kurz vor dem Schlafengehen mit Keksen und Milch?

Später spielte mein Bruder für unseren kleinen Bruder den Nikolaus. Zum Schein bekamen wir von ihm dann auch alle unsere Säckchen. Ein oder zwei Jahre fiel es nicht auf, dass einer in der Runde fehlte. Dann wurde ein Freund aus der Kirche als Nikolaus angeheuert. Nie mehr war es aber so, dass wir in einer so riesigen Veranstaltung unsere schlechten Taten beichten mussten. Nie mehr war der Nikolaus so furchteinflößend.

* Als Kinder haben wir die Silben immer so lang gezogen, dass man auf die Idee kommen könnte, es werden zwei „o“ und „u“ gebraucht.

© KS2017

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