Meine Angst

von | Jan 5, 2015 | Kiki schreibt, mit 40... | 1 Kommentar

Gestern waren wir mit guten Freunden bei unserem Lieblingsitaliener hier bei uns im Dorf. Ein kleines Lokal mit guter Küche inklusive sehr netter Bedienung. Ganz spontan. Eigentlich wollten wir sie zu unserer Wanderung heute einladen, aber das hat nicht geklappt. Nun ja, ein Abend bei feinem Essen – ohne selbst zu kochen – und gutem Rotwein ist auch nicht zu verachten. Alles sollte gut werden, bis auf einmal eine Familie am Nebentisch Platz nahm. Vater, Mutter und zwei Kinder. Dazu noch ein Gast (?). Den Vater kannte ich. Rainer sah mich an und grinste. Jetzt wusste ich, wer er war, der Vater: mein Zahnarzt. Das sollte mich eigentlich nicht treffen. Ich bin überzeugt, dass er ein guter Arzt ist und wir generell bei ihm auch gut aufgehoben sind. Mich traf die Anwesenheit von meinem Zahnarzt aus zwei Gründen.

Erstens: ich war ewig nicht da. Jeder weiß, dass eine regelmäßige Kontrolle des Esszimmers nicht unwichtig ist. Ich sage nur Prophylaxe. Meinen Schülern lege ich regelmäßige Zahnarztbesuche nahe. Im Biologieunterricht kommen wir immer wieder Dank der Kernlehrpläne auf das Thema. Auch wenn sie zuckerhaltige Kaugummis kauen oder ihren Durst mit Softdrinks löschen, mache ich sie auf die negativen Folgen diesen Verhaltens aufmerksam. Zucker, Zucker, Zucker. Ich ermuntere sie dazu, ihre Zähne sorgfältig zu pflegen. Zähne sind so wichtig. Ich kann bei dem Thema sehr leidenschaftlich werden. Außerdem mag ich das Fach.

Zweitens habe ich ein Zahnarzttrauma. Ich erinnere mich an einen Zahnarztbesuch in meiner Kindheit, im Alter von etwa zehn Jahren. Meine Mutter und ich gingen gemeinsam in die Praxis von der einzigen Zahnärztin in unserem Dorf. Meine Mutter fand das ordentlich praktisch, denn dann musste sie mit mir nicht in die Stadt fahren. Bei den Fahrplänen damals schon eine Zumutung. Am Tag fuhren vielleicht acht Busse aus unserem Dorf weg. Viele kamen zurück. Das Wochenende will ich hier gar nicht erwähnen. Aber das ist nicht unser Thema. Es geht um die Zahnärztin, die glücklicherweise zu Fuß zu erreichen war. Ich lag auf dem Stuhl. Den Mund weit geöffnet starrte ich in das grelle Licht, das über meinem Gesicht leuchtete. Dazwischen die Augen der Ärztin. An die Codes, die gewöhnlich an die Helferinnen weiter gegeben werden, kann ich mich nicht erinnern. Dafür aber daran, dass zu einem Zeitpunkt x die Diagnose mit Therapie genannt wurde: Karies und es muss gebohrt werden. Es ging sofort los. Da wollte man nichts aufschieben. Von der einen Seite wurde der Speichel abgesaugt und von der anderen Seite der Bohrer mit seinem ins Mark gehende Kreischen. Für eine Betäubung war keine Zeit. Nach einem ganz kurzen Moment machte sich dieser ziehend-bohrende Schmerz in mir breit. Eben dieser, der alles in mir zusammenzog und mich komplett verkrampfen ließ. Sämtliche Muskeln im Körper anspannt. Ganz vorsichtig versuchte ich, den linken Arm zu meiner Mutter auszustrecken und mit der Hand nach der ihren zu greifen. Genau in diesem Moment musste die Ärztin ihren Blick von meinem Gebiss und der Baustelle lösen und sah meine Hand wandern. Unmissverständlich machte sie mir klar, dass ich keine Schmerzen hätte und es nicht nötig ist, dass meine Mutter meine Hand hält. Achso.

Eine Basis für ein vertrauensvolles Verhältnis zu dieser Gattung der “Götter in Weiß” war gelegt.

©KS2015

1 Kommentar

  1. Mama kann sich daran erinnern. Die Zahnärztin war keineswegs kinderfreundlich. Mama kann jetzt noch mitfühlen. … Dr. Kostka war eine bessere Lösung ! Daher sollte diese Geschichte Dich nicht mehr belasten. Schließlich sind seitdem mehr als 30 Jahre vergangen.

    Viele Grüße bis die Tage

    Deine Eltern

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