Budapest zu Fuß

von | Okt 14, 2018 | Kiki schreibt, Mein Klassenbuch, ohneumweg-unterwegs | 2 Kommentare

Der Artikel enthält unbezahlte Werbung, da Namen genannt werden.
Die Planung der Abschlussfahrt in Klasse 10 steht bevor. Schnell ist meinem Kollegen und mir klar, dass es eine besondere Fahrt sein muss, irgendeine Stadt, die nicht auf jedem Programm steht. Zuerst konzentrieren wir uns auf die polnischen Städte Krakau und Warschau. Leider können uns die Klassenfahrtsunternehmen hier keine Angebote machen, die unserem Budget entsprechen. Unsere Klasse ist auch nicht richtig begeistert. Eher verhalten reagieren sie auf unseren Vorschlag, obwohl die Reise einen Flug beinhaltet. Bei unseren Recherchen haben wir fest damit gerechnet, dass eine Flugreise unbestechlich ist. Wir sind etwas verwirrt und sehen uns schon mit einem Bus stundenlang über die Autobahnen fahren. Da fällt uns ein Angebot für eine Reise nach Budapest in die Hände, von dem wir sehr begeistert sind. Ohne große eigene Überzeugungskunst ist unsere Klasse schnell begeistert. Ob die positive Antwort auf die Frage nach freiem WLAN im Hostel der Grund ist, kann ich nicht genau sagen. Wir können den Vorschlag den Eltern am Pflegschaftsabend unterbreiten und stoßen auch hier auf positive Resonanz. 

Jetzt folgen die üblichen Formalitäten: Einsammeln der Einverständniserklärungen, Genehmigung bei der Schulleitung einholen, die Fahrt buchen. 

Um die Genehmigung zu bekommen, müssen wir Programmpunkte vorlegen. Diese wollen wir in Eigenregie organisieren. Dazu teilen wir unsere Klasse in kleine Gruppen. Jede bekommt den Auftrag, zu einer Sehenswürdigkeit zu recherchieren. 

8. Oktober 

Der Tag des Abflugs ist gekommen. Unser Flieger will um 6.40 Uhr vom Flughafen Köln/Bonn starten. Damit wir alle an Bord sind, bedeutet das für uns, dass wir uns um 4.30 Uhr dort treffen. Das klappt auch fast. Das Resultat ist aber das Wichtigste: wir sitzen alle 26 – Jugendliche und 3 Erwachsene – in der Maschine, als diese mit zwanzig Minuten Verspätung startet. 

Vom Flughafen kommen wir nach einigen Fragezeichen an den Ticketautomaten mit öffentlichen Verkehrsmitteln – Bus und Metro – in die Innenstadt zu unserem Hostel, dem Wombat´s. Ungewohnt für uns sind die häufigen Kontrollen unserer Tickets. Das Hostel liegt mitten im Jüdischen Viertel von Budapest, dem In-Viertel der Stadt. Es ist unglaublich viel los – eigentlich zu jeder Uhrzeit. Das Hostel ist ursprünglich eines der typischen Häuser mit großem Innenhof. In diesem Fall ist der Hof allerdings mit einem riesigen Glasdach versehen und dient als Lobby, Frühstücksraum und Aufenthaltsraum. Unsere Gruppe ist in unterschiedlicher Intensität über drei der vier Stockwerke verteilt.

Direkt gegenüber des Hotels befindet sich der Eingang zum Gozsdu-Hof. Ein Sammlung von Café, Kneipen und Restaurants.

Nach unserer Ankunft ist der Tag noch jung und wir machen uns daran, unsere Umgebung zu erkunden – zu Fuß. Wir sehen ein erstes Mal die Große Synagoge, die größte Synagoge Europas und zweitgrößte jüdische Gotteshaus der ganzen Welt, erbaut im 19. Jahrhundert. Nach einem Mittagsimbiss und dem Beziehen der Zimmer landen wir über Umwegen an der Kettenbrücke und schließlich in unserem ersten Lokal für den Abend. Wir kehren in einem türkischen Imbiss ein (nicht aus aktuellem Anlass).

Abendstimmung in einem Innenhof im Jüdischen Viertel

9. Oktober

Unsere erster kompletter Tag in der Stadt beginnt mit einem Ganz zum Heldenplatz – wobei ich ja der Meinung bin, das der Heldenplatz bei uns morgens am Frühstückstisch war… Über die Andràssy ùt gelangen wir direkt dorthin. Eigentlich nur geradeaus. Dabei passieren wir die Oper, die leider gerade mit einem Baugerüst verkleidet ist.

Hinter dem Heldenplatz – stadtauswärts gesehen – liegt das Stadtwäldchen unter anderem mit der Burg Vajdahunyad und das Denkmal des Anonymus, der die erste Chronik Ungarns aufgeschrieben haben soll. Beauftragt von König Belà IV.

Heldenplatz

Burg Vajdahunyad

Heldenplatz

Burg Vajdahunyad

Weiter geht es zu den Markthallen und der Freiheitsbrücke. Heute kehren wir uns in einem kleinen Straßenrestaurant in der Innenstadt zum Abendessen mit teilweise ungarischem Essen – aber nicht überragend gut. Wegen unserer Menge können wir einen kleinen Rabatt heraus handeln, der aber durch die von uns nicht beachteten typischen 10% Servicegebühr wieder ein wenig geschmälert wird.

Markthalle

Freiheitsbrücke

Markthalle

In der Markhalle

Abends bieten wir unserer Klasse eine kleinen Gang durch das Jüdische Viertel an und enden in einer kleinen Kneipe im Gozsdu-Hof. Es gibt alkoholfreie Cocktails und Softdrinks – für uns!

10. Oktober

Nach der Möglichkeit zum freien Shoppen am Vormittag geht es heute nach der St. Stephans Basilika über die Kettenbrücke auf die andere Donauseite, um den Burgberg mit Matthiaskirche, Fischerbastei und den Königspalast zu erkunden.

Kuppel der St. Stephans Basilika

Parlament

St. Stephans Basilika

Kettenbrücke

Fischerbastei

Matthiaskirche

Königspalast

11. Oktober

Unser letzter kompletter Tag in Budapest – zumindest gehen wir an diesem Morgen ernsthaft davon aus. Heute stehen folgende Sehenswürdigkeiten auf dem Programm:

Die Schuhe am Donauufer, das Parlament, die Margaretheninsel und die Pálvölgyi Höhle.

Den Anfang machen die Schuhe am Donauufer, die zwischen der Kettenbrücke und dem Parlament aufgestellt wurden. Ein erschütterndes Mahnmal, das an das Verbrechen an den Juden während der Zeit der Nationalsozialisten. Sie erinnern an die, die im Winter 1944/1945 am Donauufer erschossen wurden und dann in den Fluss geschmissen wurden. Sehr bewegend. Schuhe von Frauen, Männern und Kindern sind zu finden…

Bewegt gehe ich weiter zum Parlament. Hier steht ein weiteres Mahnmal. Es erinnert an den Volksaufstand in Ungarn, der 1956 blutig niedergeschlagen wurde.
Unsere alltägliche Mittagspause machen wir auf der Margareteheninsel: Picknick mit Brötchen, Käse, Wurst und Wasser.
Anschließend geht es weit hoch auf die Budaer Berge zur Pálvölgyi Höhle. Ein beeindruckendes Gängesystem mit vielen Tropfsteinen mit einer Länge von 7200 Metern und einer Tiefe von 104 Metern. Da es draußen schon die ganze Woche sehr warm ist, empfinden wird die 11 Grad Celsius nicht als zu kalt. Hier bekommen wir eine Führung in englischer Sprache, von der zumindest ich nicht ganz viel verstehe, die Eindrücke bleiben aber.
Von der Höhle nehmen wir den Bus in die Innenstadt.

Für den letzten Abend haben wir uns etwas Besonderes vorgenommen. Wir gehen in die Straße mit den Ruininenkneipen und nehmen unser Abendessen in der KARAVÁN zu uns. In einer Baulücke zwischen den Ruinen stehen einige Wagen, an denen man sich mit Essen und Trinken eindecken kann. Weiter hinten sehen Tische und Bänke, an denen wir uns mit der Klasse treffen und gemeinsam essen. Hier singe ich beim Flaschendrehen auch mein erstes Solo. Daraufhin werden wir gebeten etwas leiser zu sein, weil rundherum Menschen wohnen, die jetzt schlafen wollen.

12. Oktober

Der letzte Tag… Heute steh noch das Jüdische Viertel auf dem Programm und dann noch Zeit zur freien Verfügung. Unser Flieger geht erst abends. Mittags treffen wir uns wieder im Hostel, um die Zeit bis zur Fahrt zum Flughafen gemeinsam zu verbringen – nicht ganz selbstlos, denn dann sind wenigstens alle da…

Große Synagoge,

Szimpla Kert

… und Anderes.

Gegen 17 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle und fahren zum Flughafen. Unterwegs checke ich schon mal die Flugdaten. Alles pünktlich. Am Flughafen angekommen, stellen wir uns brav in die Schlange, als unser Flug aufgerufen wird. Auf der Anzeigetafel erscheint jetzt der kleine Zusatz einer neuen Abflugzeit. Verspätung. Nicht einige Minuten wie auf dem Hinflug, sondern am Ende sind es zweieinhalb Stunden. Bis kurz vorher ist nicht klar, ob wir überhaupt nach Hause kommen. Gegen 1 Uhr können wir das Flugzeug verlassen, nachdem wir mit Höchstgeschwindigkeit gestartet, geflogen und gelandet sind…
Budapest mit einer 10.Klasse? Ja, das geht gut, wenn die Klasse entsprechend ist. Es war eine rundum gelungene Klassenfahrt! Nicht nur das Wetter hat komplett mitgespielt, sondern auch die Stimmung war einfach gut. Wir haben viel gelacht. Anstrengend war es, ja! Aber es hatte einen Hauch von Urlaub… Dankbar!

©KS2018

2 Kommentare

  1. danke für die eindrücklichen Bilder von Budapest mit dem Bericht. Vielleicht wäre eine Beschriftung der einzelnen Bilder noch aufschlussreicher gewesen. Das kann man ja nachholen.

    Mama und Papa

    Antworten
    • Liebe Mama, lieber Papa,
      danke für euren Kommentar. Stimmt, das kann und werde ich nachholen.
      Eure Kiki

      Antworten

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