Steht auf, wenn ihr Bonner seid

von | Mai 2, 2018 | Bonn | 0 Kommentare

Ganz spontan entscheidet Rainer sich dazu, mal wieder ein Spiel des Bonner SC anzusehen. Noch spontaner begleite ich ihn an diesem schönen Dienstagabend in den Sportpark Nord. Mit unseren Rädern düsen wir nach Rainers Feierabend los. Rainer in Trikot und der Schal, den ich später trage, ist noch am Fahrradkorb befestigt. Eine Nachbarin fragt, wo es hingeht und ich nenne ihr unser Ziel: Parkstadion. Noch während ich spreche, merke ich, dass da was nicht stimmt und berichtige mich. Sie ist ganz erstaunt, dass Bonn einen Fußballverein hat. Rainer klärt sie auf: Seit 1965. Zur Zeit spielen sie in der der Regionalliga.

Erst geht es in die Innenstadt: Bargeld holen und Currywurst an der Bude auf dem Markt essen. Dann weiter in den Sportpark. Bonn spielt gegen den Abstieg und gegen Rödinghausen. Ein Nachholspiel. Karten bekommen wir auch noch kurz vor Spielbeginn. Mit erhobenen Armen gehe ich die Absperrgitter entlang durch den Eingang. Etwas verwirrt bin ich, weil hier keine Frau steht, die mich abchecken wird. Dann werde ich aber auch schon durch gewunken. Ist ein bisschen anders als auf Schalke. Das soll nicht der einzige Unterschied bleiben. Auf der Karte sind keine Platznummern – freie Platzwahl und davon sehr viel. Wir nehmen eine mittlere Reihe im mittleren Block. 498 Zuschauer werden sich das Spiel mit uns gemeinsam ansehen.

Die Mannschaften sind noch auf dem Platz, um sich aufzuwärmen. Die Stimmung ist verhalten. Durch die Ränge toben Kinder in Trikots verschiedener Vereine. Vor uns nimmt ein Mann mit vier Kindern im späten Kindergartenalter bis Grundschulalter Platz. Zwei der Jungs sind Feuer und Flamme für das Spiel. Lange vor Beginn skandieren sie „BSC! BSC! BSC!“.  Zwischendurch kommt mal ein „BFC!“ Anfangs bin ich mir nicht sicher, ob hier ein kleiner Sprachfehler vorliegt, oder ob die Buchstaben einfach verwechselt und Vereine vermischt werden. Später wird es deutlich: vermischte Verwechselung. Die anderen beiden sind schon zu cool. Hinter uns nehmen einige ältere Herren Platz, die jeder für sich einen prima Trainer abgegeben hätten. Wie das so ist…

Dann geht es los. Die Mannschaften betreten den Platz. Die Gastmannschaft wird vorgestellt und es gibt keinen Jubel von den Rängen. Der „Gästekäfig“ ist leer. Es scheint, als hätten sie keinen einzigen Fan dabei. Die Vorstellung unserer Mannschaft wird vom Publikum aber auch eher verhalten wahrgenommen. Stimmung wie auf Schalke will nicht aufkommen, als die einzelnen Spieler mit Namen genannt werden. Ich bin äußerst verwirrt. Anpfiff. Die erste Halbzeit ist sehr verhalten. Kein Tor. Der Block C kommt mit seinen Fangesängen auch nur mäßig durch. Die Stimmung könnte wirklich besser sein. Einer der Jungen beschwert sich bei seinem Vater, dass die erste Halbzeit nach 45 Minuten nicht beendet wird. Ich kläre ihn auf, dass der Schiedsrichter die Halbzeit beendet, wie der Lehrer den Unterricht.

In der zweiten Halbzeit ändert sich das Blatt. Fünf Minuten nach Beginn fällt das erste Tor. Für die Gäste! Kein Jubel ist wahrzunehmen. Irgendwie auch deprimierend. Das Spiel geht weiter. Weil der Videowürfel fehlt, gibt es auch keine Möglichkeit, das Tor noch einmal zu sehen. Der Ball rollt wieder und es folgt ein Torschützenfest: Der Bonner SC schießt seine Tore und die Stimmung steigt! Ich komme aus dem Singen, Klatschen und Schreien nicht mehr raus. Fünf Tore schön über die Halbzeit verteilt! Kurz vor Ende kassieren sie noch eins, was aber auch wieder niemanden interessiert. Ohne Nachspielzeit wird die Partie 5:2 beendet. Ein schöner Abend!

©KS2018

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